Die Geschichte von Kru-ent

"Ich kam zur Welt in einem Alheim in den Hochländern. Mein Altrua'agoral war klein und lebte von der friedlichen Luftfahrt. Wir waren bekannt als exzellente Ausrüster für Expeditionen und für die Möglichkeit alles zu beschaffen, was ein Troll brauchen konnte. Unsere Krieger waren nicht die grimmigsten, aber keiner wagte es das katorr oder den kat'ral gedankenlos zu verletzen.
Mein Vater war ein geschickter Schmied; er fertigte Waffen, Rüstungen und sonstiges Gerät an, die gebraucht wurden. Meine Mutter war Kriegerin und gehörte zur Mannschaft eines unserer Luftschiffe.
Im Alter von dreieinhalb Jahren durfte ich erstmals mit auf eine Reise. Wir flogen nur einige Meilen, um zu erkunden, wer sich auf das Territorium unseres Altrua'agorals wagte. Eine marodierende Bande gemischter Zusammensetzung stöberten wir auf und vernichteten sie. Der Kampf war kurz aber sehr heftig. Auch ich bekam eine Waffe, aber für mich gab es nichts zu tun. Bevor ich meine Ungeschicklichkeit so richtig unter Beweis stellen konnte, war alles vorbei. Ich merkte, daß meine Begabung woanders lag, als in der physischen Auseinandersetzung.
Wenige Tage später durfte ich auf meine erste weitere Reise. Es wurde das Luftschiff meiner Mutter ausgerüstet, um zu einem großen Markt zu fliegen. Mein Vater kam auch mit, um Metalle und Werkzeuge zu kaufen. Eine halbe Tagesreise von unserem Zielmarkt wurden wir von Thera'in überfallen und in eine hoffnungslose erbitterte Schlacht verwickelt. Unsere Besatzung wurde einer nach dem anderen durch ihre zahlenmäßige Überlegenheit niedergemacht. Wir kämpften wie eine Herde Ty'narg (äußerst reizbare und wilde, in den Zwielichtgipfeln lebende, massige Huftiere vom Aussehen ähnlich den Yaks) und sie mußten einen fürchterlichen Blutzoll entrichten. Ich erschlug einen der ihren mit meiner Axt, irgend wo fing unser Schiff an zu brennen und ich sah wie meine Mutter von einem Pfeil tödlich getroffen neben meinen Blut überströmten Vater auf die Planken schlug. Als ich hinübereilte, traf mich etwas hartes und schweres am Kopf.
Als ich wieder erwachte, lag ich in einem stinkenden überfüllten Raum ohne Fenster. Irgendwann brachte ein Thera'in fauliges Wasser und schimmliges Brot und die Menschen, Zwerge, Orks, Windlinge und Elfen fielen darüber her und zankten sich, so daß ich mich übergeben mußte. Unendlich langsam verging die Zeit und als wir aus dem Verlies herausgetrieben wurden, riß man uns unsere Fetzen vom Leib. Wir wurden auf einen Marktplatz einer großen Stadt, Vivane, geführt und versteigert. Ich wurde an einen fetten Menschen, namens Quohr, verkauft, der mich zu seinem persönlichen Sklaven machte, zur Belustigung aller an seinen sogenannten Gesellschaften. Ich mußte jede nur erdenkliche Drecksarbeit machen, nach Möglichkeit unter den Augen möglichst vieler Zuschauer. Die größte Demütigung war, als er mir mein rechtes Horn absägen lies. Ich fand es einen Tag später auf dem Abfall, seither brennt ein kalter Haß in mir. Er war Geisterbeschwörer und von ihm erwarb ich mir einige Grundkenntnisse in dieser Disziplin, indem ich seine prahlerischen Kunststücke beobachtete, deren bevorzugtes Opfer ich war.
Ungefähr viereinhalb Jahre dauerte die Sklavenschaft, dann machten wir einen Ausflug mit einem seiner Luftschiffe. Wir flogen ziemlich weit, über die Grenzen des Thera'in-Einflußbereichs hinaus. Als wir in geringer Höhe und mit hoher Geschwindigkeit über einen See flogen, versuchte ich mich in die Fluten zu stürzen. Quohr belegte mich mit einem Knochentanz, konnte aber nicht verhindern, das ich über die Reling kippte und ins Wasser fiel. Dort verlor ich das Bewußtsein und als ich wieder zu mir kam lag ich an einem wärmenden Feuer und wurde von einem Ago'al aufmerksam betrachtet. Seit dem ziehe ich mit ihm durch die Welt, auf der suche nach Verstehen. Von dem Moment meiner Sklavenschaft an, nenne ich mich nur noch kru - ent, was heißt der Namenlose."

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